Warum überholt denn hier keiner?

Ein entschleunigter Reisebericht über Bornholm von Corinna Kasten

Ein Kurztrip zur Insel Bornholm stand schon lange auf meiner Wunschliste - 38 Jahre sind seit meinem letzten Besuch dort vergangen und ich habe oft an diese besondere Insel gedacht. Nun geht es also wieder los: Reisebär Hannes eingepackt, denn der wollte auch mal was anderes sehen als immer nur Mallorca! Wo man allerdings deutlich schneller hinkommt!

  

Ich fahre über die Insel Rügen nach Sassnitz und lege eine Zwischenübernachtung dort ein bevor das Fährschiff der Reederei Faergen uns am nächsten Vormittag in 3,5 Stunden in die Inselhauptstadt Roenne bringen wird. Der Weg ist das Ziel, und ein kleiner Stop auf Rügen verbunden mit einer Rundfahrt durch Binz lohnt immer. Bei der Buchung unseres Zimmers (ist ja nur für eine Nacht - egal) achte ich nur auf Preis, Lage und ein Zimmerfoto - passt.

Mitropa-Style

Bei Ankunft vor dem „RÜGEN“-Hotel erschrecke ich beim Anblick der Außenansicht dann doch: Ein unbewohnt wirkender Hochhausklotz in deprimierendem Grau. Ich erfahre später, dass die Mitropa dieses Haus 1969 errichtet hat - ich dachte, so  etwas gibt es gar nicht mehr.

In leichter Panik erwäge ich, Alternativen zu suchen, was allerdings um 20 Uhr sich als nicht so einfach erweist. Hannes meint: Erstmal angucken. Also Augen zu und durch: Überrascht werde wir allerdings mit einem komplett renoviertem Zimmer, super Sauberkeit und einem tollen Panoramablick. Immerhin hatten wir Meerblick gebucht. Fazit: Nicht vom Äußeren beeinflussen lassen.

Am nächsten Tag geht es um 11 Uhr nach ausgiebigem Frühstücksbuffet auf die zweckmäßige Autofähre und nachmittags sind wir dann schon auf Bornholm.

Endlich da

Schnell wird die kleine, charmante Innenstadt von Roenne unsicher gemacht und ein leckeres Smoerrebroed nebst Fadoel/ Fassbier für die Beifahrer zur Einstimmung auf unsere dänische Gastgeberinsel genossen. Anschließend starten wir mit der Entdeckung der rund 150 km Küstenlinie und fahren die wunderschöne Südküste entlang, wo wir dem entzückenden kleinen Badeort Boderne einen Besuch abstatten. 

 

Shopping Tipp: Die Boutique „Pia Staermose “ beherbergt geschmackvolle Mode in wunderschönen Räumlichkeiten alter Häuser. Unser nächstes Ziel ganz im Süden reizt uns ganz besonders: Es geht zum endlosen 8 km langen Dünenstrand von Dueodde und wir sind fasziniert vom weißen, fast mehlfeinem Sand. Den bekomme ich nie wieder aus Hannes Pelz raus!

  

Durch Kiefernwäldchen gehen wir auf Holzplanken ca. 500 Meter zum Strand - unendliche Ruhe und Weite erwarten uns dort. Himmlisch! Hier könnte man als Strandliebhaber definitiv einen längeren Urlaub verbringen und recht günstig in der Nähe im Balka Strand Hotel wohnen.

Nur Touristen überholen

Apropos Ruhe: Dem gemächliche „ Tempo“ der Insel passt man sich rasch an. Auch wenn die vorherrschenden durchschnittlich 70 km/h auf der Landstraße für mich zunächst gewöhnungsbedürftig sind. Erstaunlicherweise überholt aber keiner, außer hin und wieder Fahrzeuge mit Hamburger Kennzeichen. Die können wohl nicht anders! Und so kann das entspannte Fahren und Gucken ausgekostet werden. Man gewöhnt sich übrigens sehr schnell daran. 

Zu Gucken gibt es genug:

Die Ostküste zwischen Snogebaek und Sandvig im Norden ist neben vielen kuscheligen Badebuchten gespickt von gemütlichen, kleinen Orten wie Svaneke, Gudhjem und Allinge, wo sich das Leben rund um die kleinen Fischer- und Segelhäfen abspielt. Jetzt Ende Juni noch recht beschaulich, in den Monaten Juli/August wird es lebhafter. Ein Höhepunkt ist das jährlich Mitte Juli stattfindende Jazz Festival in Allinge: Das kommt auf meine persönliche Liste für einen zukünftigen Besuch.

  

Hannes und ich erkunden die reizenden Örtchen und freuen uns an den vielen Kunstgalerien und Glasbläsereien - viele Künstler bieten auch Workshops an. Unser Kulturbedürfnis stillt ein Besuch einer der ältesten Rundkirchen in Österlars - eine wunderschöne Anlage in der Nähe von Gudhjem. Sie ist nur eine von mehreren dieser einzigartigen Kirchenanlagen der Insel. Kulinarisch sind wir entzückt von den vielen Nascherei- Betrieben wie die „Karamel Compagnie“ und ganz besonders von der LAKRIDS - Küche von Johan Bülow in Svaneke: Das Eis...! Die Lakritz/Schokokugeln....! Höchste Suchtgefahr!

Kulinarisch

Wir sind außerdem natürlich auf der Suche nach einer der guten alten Poelserbuden. Diese sind leider fast ausgestorben, wie wir feststellen müssen. Fündig werden wir aber bei den „Bornholmern“:  Die frisch geräucherten, am besten noch warmen, Heringe der Insel hingen früher überall glänzend in der Sonne. Vor den vielen Räuchereien sind leider nicht mehr viele übrig, aber die Suche lohnt. Wir werden in der malerischen Museumsräucherei von Hasle am Hafen fündig - hier wird auch die Geschichte dieses alten Handwerkes anschaulich dargestellt.

 

Das geschmacksintensive Nationalgericht „Sol over Gudhjem“, (Sonne über Gudhjem) beschert uns einen geräucherten Hering mit Schwarzbrot, Meersalz, Radieschen und einem rohen Eigelb als Sonne. Hmmh!

 

Genossen wird das draußen auf den typischen, rustikalen Holzbänken zwischen den Schornsteinen der Räucherei. Hannes meint: Darauf ein Fadoel! Einen weiteren Lieblingsplatz finden wir an der Nordküste der Insel in Sandvig. Hier verliebt sich auch Hannes in die kleinen roten Fischerholzhütten und den malerischen, fast schon kitschig romantischen Hafen. Wir wollen gar nicht mehr weg. Die angrenzende Strandbucht samt Kiosk mit ausgesprochen guter Verpflegung und Picknickmöglichkeit ist von wilder Schönheit.

Ein paar Kilometer weiter im Nordwesten besuchen wir die Hammershus-Burg, ein ca. 1290 entstandener großer heutiger Burgruinenkomplex mit blutiger Vergangenheit umgeben von großartiger, hügeliger Landschaft. Ein Besuch dort gehört unbedingt auf die To Do Liste eines Bornholmbesuches. Die Gelassenheit und Freundlichkeit der Menschen gefällt uns sehr und wir legen die Alltagshektik schnell ab. Die Insel wirkt zeitlos, aber gestrig ist sie nicht: In unserem Hotel Friheden freuen wir uns jeden Morgen beim Frühstücksbuffet am Saft „ der aus dem IPAD kommt“ (siehe Foto).

Es gibt überall gutes Netz/ w-lan und in vielen Geschäften kann man außer mit Kronen auch mit dem Handy (mobile pay) bezahlen. Trotzdem ist die Nutzung von Smartphones nicht so präsent wahrnehmbar wie hierzulande - also fühlt man sich doch ein wenig in die Gute Alte Zeit zurückversetzt.  

Fazit

 

 

Nach gut 3 Tagen entschleunigendem Aufenthalt bei schönstem Wetter (nicht umsonst wird Bornholm die Sonneninsel genannt) steht unser Entschluss fest: Wir kommen wieder! Und gern länger. Wir möchten schließlich auch das Inselinnere mit seinen schönen, riesigen Wäldern erkunden. Und Fahrrad fahren. Und mehr baden. Und und... 

 

Obwohl es nur ein paar Tage sind, kommen wir tiefenentspannt wieder nach Hause. Das hält noch lange an - auch wenn wir wieder überholen.

Bornholm: Immer wieder!

 

Gerne gebe ich ihnen weitere Tipps zu Bornholm. Sie finden mich im Reisebüro FAHRENKROG am Alten Markt in Kiel. 

Ihre Corinna Kasten

 

0431 / 66401 31

cka@fahrenkrog.de

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Tipps

Hotel-Tipp: Wir waren im Hotel Friheden in Allinge, ein modernes Hotel in skandinavischem Design mit Meerblick in bester Lage, sehr netter Service.

Der Klassiker: Hotel Balka Strand im Süden. Hier sind auch oft Gruppen untergebracht und das Hotel ist Top in Schuss! Man wohnt in Reihen/Kettenbungalows von schönen Gärten umgeben. Schlicht, aber gut+günstig.

Beides buchbar über DERTOUR. Ansonsten gibt es jeder Menge Appartements und Ferienhäuser für Selbstversorger.

 

Restaurant-Tipp: Für den besonderen Abend  Le Port in Vang. Exzellente Küche, spektakulärer Sonnenuntergang. Menupreis ohne Getränke ab ca. 50 €.

 

Kostenbeispiele: Dänemark ist bekanntlich kein günstiges Pflaster. Man findet jedoch auch auf Bornholm große Supermärkte wie Lidl und Netto. Zum Glück auch noch BRUGSEN (0,3l Bier kostet ca 30 Kronen = ca. 4 €, wie auch in etwa ein Poelser. Für den Herings-Teller werden ca. 60 kronen = 8 € fällig.)

Fotos: ©Corinna Kasten und pixabay